Aurich. Es klingt fast absurd: Aurich ist Kreisstadt, Behördenstandort, Einkaufsstadt, Schulstadt, Energiestandort – und trotzdem kommt man nicht mit dem Personenzug hin. Wer von Emden, Leer, Norden oder Oldenburg nach Aurich will, steigt in den Bus, fährt Auto oder organisiert sich irgendwie anders. Schienen liegen zwar noch. Güterzüge fahren. Aber für normale Fahrgäste ist Aurich seit Jahrzehnten vom Personenverkehr abgekoppelt.

Die Frage, die viele in der Stadt bewegt, lautet deshalb: Warum hat Aurich eigentlich keinen Bahnhof mehr – und kommt der Zug jemals zurück?

Die kurze Antwort: Aurich hatte einen Bahnhof. Sogar schon seit dem 19. Jahrhundert. Doch 1967 war Schluss mit dem planmäßigen Personenverkehr. Seitdem ist Aurich eine Stadt mit Bahnstrecke, aber ohne Personenzug.

Und genau das macht die Geschichte so spannend.

Aurich wollte Anschluss an die Welt

Als die Eisenbahn im 19. Jahrhundert Ostfriesland veränderte, wollte auch Aurich nicht abgehängt werden. Die Bahnstrecke Abelitz–Aurich entstand 1883, gleichzeitig mit der Küstenbahn. Sie wurde gebaut, damit die damalige wichtige Verwaltungsstadt Aurich nicht ohne Bahnanschluss blieb. Die Strecke war rund 19,6 Kilometer lang und verband Aurich über Abelitz mit der Hauptstrecke in Richtung Emden und Norddeich.

Der Auricher Bahnhof wurde ebenfalls 1883 eingeweiht. Er war ein Kopfbahnhof – also ein Bahnhof, in den Züge hineinfahren und wieder in Gegenrichtung herausfahren mussten. Von der alten Bahnanlage sind heute vor allem die historischen Gebäude geblieben.

Damals war der Bahnanschluss mehr als Bequemlichkeit. Er war ein Symbol. Wer an der Bahn lag, war verbunden: mit Häfen, Märkten, Waren, Reisenden, Behörden, Wirtschaft und dem „Weltverkehr“, wie es in der historischen Debatte hieß. Aurich wollte nicht am Rand stehen.

1967 fuhr der letzte planmäßige Personenzug

Dann kam der Einschnitt. Am 24. September 1967 fuhr der letzte planmäßige Personenzug nach Aurich. Danach blieb die Strecke zwar erhalten, aber der Personenverkehr war beendet.

Warum? Wie in vielen Regionen Deutschlands verlor die Bahn in der Nachkriegszeit gegen Auto, Bus und Straße an Bedeutung. Nebenbahnen galten als teuer, langsam oder nicht mehr zeitgemäß. Gleichzeitig wurden Straßen ausgebaut. Der Verkehr verlagerte sich. Was heute wieder wie ein Fehler wirkt, passte damals in eine Zeit, in der das Auto als Zukunft galt.